Otto ist ein Arschloch
Wie geplant ging es am Freitag von Hanö aus wieder deutlich Richtung Süden. Wir entschieden uns für Simrishamn, ein größerer Hafen an der Ostküste der Schwedischen Region Schonen.
Die Wetteraussichten sahen von dort aus nicht besonders gut aus: das Sturmtief “Otto”, das in Deutschland Freitag schon im Anmarsch war, wanderte langsam Richtung Osten. Für den Nachmittag prophezeite uns die Wettervorhersage bis zu Windstärke 8. Der Vormittag sollte aber noch relativ ruhig werden.
Segeln mit Termindruck ist mist. Müssten wir nicht spätestens am kommenden Sonntag wieder in Deutschland sein, hätten wir das gelassen, wären im großen, sicheren Hafen von Simrishamn geblieben und hätten auf besseres Wetter gewartet. So aber mussten wir quasi weiter, zumindest, wenn wir nicht an den letzten drei Tagen jeweils 16 Stunden segeln wollten. Also legten wir noch Samstag vormittag ab, mit Ziel Kåseberga, ein kleines Örtchen knapp östlich von Ystad. Es lief eigentlich ganz rund, ein Am-Wind Kurs mit knappen 4 Windstärken und moderater Welle begrüßte uns. piano lief 5,8 Knoten und unser Wegpunkt, der die Südöstliche Spitze Schonens markierte, kam näher und näher. Den herannahenden Sturm bemerkten wir zwar schon am leicht drehenden Wind, aber wir waren immer noch ungerefft. Vorbei waren wir an Skillinge, dem letzten Hafen vor Kåseberga, da trafen wir auf etwas, womit wir nicht kalkuliert hatten. Die Wellen, die Otto im Südteil der Ostsee verursacht hatte, waren jetzt schon da. Und zwar genau von vorne, genau wie der Wind inzwischen. Angesichts der Sturmvorhersage wollten wir lieber nicht wertvolle Zeit durch Kreuzen verschwenden, bargen die Segel und schmissen den Motor an. Vielleicht hätten wir lieber Segeln sollen. Der Motor jedenfalls kämpfte sich zwar tapfer, aber dennoch kraftlos durch die inzwischen brandenden 3m Wellen. Kaum 3,5kn schafften wir auf diese Weise. Ich konnte mich dennoch nicht entschließen, wieder zu segeln, denn vorher hätten wir die große Genua auf die etwas starkwindtauglichere Genua III wechseln müssen – inklusive Fummelarbeit auf dem Vorschiff. Das ließen wir lieber, denn unsere Fahrt war zwar absolut ungemütlich, aber längst nicht gefährlich. Es zeigt sich wieder, dass die piano - vielleicht im Gegensatz zu ihrer Crew – für solche Bedingungen gemacht ist. Das Schiff knallt nur selten die Welle runter, rollt nicht übermäßig, und das Cockpit bleibt erstaunlich trocken.
Angekommen in Kåseberga stellten wir fest, dass das Folkeboot (welches zeitgleich mit uns gestartet und durchgesegelt ist) schon die Kuchenbude aufgebaut hatte. Also nächstes mal würde ich auch segeln. Wir fanden noch einen Liegeplatz längsseits eines ausgedienten Seenotkreuzers (wie passend…), der inzwischen als Museum dient, und waren froh, im kleinen, vollen Hafen angekommen zu sein.
Meine größte Hoffnung hat sich direkt nicht erfüllt: der Hafen ist zwar nur nach Osten geöffnet, der Sturm kam aus Südwest. Und dennoch stand ordentlich Schwell im Hafenbecken. Naja, erstmal egal. Wir waren ja da. Wir blieben dann auch das letzte Schiff, was an diesem Tag noch einlief.
Wir erkundeten die Kleinstadt Kåseberga, die sich interessant gestaltet: Nur eine Handvoll Wohnhäuser, dazwischen Galerien und Kunsthandwerkstuben, am Hafen eine Fischräucherei (wie gern würden wir Fisch mögen..) und ein Edelrestaurant. Und alles lebt von der Schar Tagestouristen, die nur aus einem Grund kommen: der “Schiffssetzung Kåseberga” (Ales Stenar). Man kann sich das als eine Art schwedisches Stonehenge vorstellen, eine schiffsförmige Steinanordnung, die etwa 3000 Jahre alt ist. Wir hatten das Privileg, am Abend ganz allein dort oben zu sein, tagsüber sind die Parkplätze stets voll und auf jedem Stein sitzt jemand, der sich fotografieren lässt.
Soll uns das Wetter da draußen doch egal sein, heute Abend gehen wir dick essen! Wir setzten uns in den gemütlichen “Kro” und aßen Burger Kåseberga Art und Kalbsboulette, zum Nachtisch hausgemachtes Eis. Super lecker und genau das, was wir brauchten. Nur hatten wir die Rechnung nicht mit dem Wirt gemacht. Oder wie sagt man? Wir hatten nämlich nicht mehr genug Bargeld dabei, was eigentlich ziemlich egal ist, denn in Schweden kann man überall (selbst für die Liegegebühr auf der einsamen Schäre Utklippan, am Parkscheinautomat und auch beim Ticket kaufen im Linienbus) mit Kreditkarte zahlen. Nur in dieser kleinen Gaststätte nicht. Der Wirt war aber ein herzensguter: er entließ uns mit 100 Kronen (10€) Schulden, und dem Versprechen, es am nächsten Tag nachzulöhnen. Das machten wir natürlich auch.
Der Wind nahm tatsächlich auf Sturmstärke zu und bescherte uns eine unruhige Nacht. Am Sonntag war immernoch nicht an Auslaufen zu denken (kein Schiff verließ den Hafen), sodass wir Ystad von unserer Segelroute streichen mussten. Statt dessen setzten wir uns in den Bus um in die Wirkungsstätte von Kurt Wallander zu fahren. Wir schlenderten ein bisschen durch das malerische kleine Örtchen und erhellten schließlich unsere Gemüter mit 1kg Süßigkeiten. Übertrieben? Oh, da müssen wir kurz was erklären. In
Schweden gibt es in jedem Supermarkt einen Stand, an dem man sich seine Süßigkeitentüten selbst füllen kann. Wir bedienen uns da stets gern mit allerhand Lakritzvariationen, denn im Gegensatz zu ziemlich allem anderen ist dies in Schweden ziemlich günstig: umgerechnet etwa 80 Eurocent zahlt man für 100g. In Ystad gab es nun ein unwiederstehliches Angebot: nimmt man mindestens 1kg, zahlt man nur 49 cent für 100g. Das mussten wir nutzen
Mit einem mal überkam uns eine brütende Hitze. Da hilft nur ein kaltes Bad….. Um dem Schietwetter zu trotzen gingen wir in die Sauna. Leider ging aber auch das etwas in die Hose. Die einzige Sauna weit und breit war in einem Freibad. So weit, so gut, nur blöderweise geschlechtergetrennt (so wie man sich das für die Flitterwochen wünscht). Wir machten also jeder für sich ein paar Saunagänge bei immerhin 75°C, bei mir wars okay, Nina teilte sich die Schwitzhütte mit ein paar Eis essenden Kindern.
Als wir genug davon hatten begann für uns eine kleine Wanderung, denn die Busse fuhren nur im 3 Stunden Takt. Und ratet, wann der nächste gekommen wäre? Versuchshalber hielten wir ab und zu den Daumen raus (immerhin lagen 11km vor uns) und tatsächlich, irgendwann nach 5km Fußmarsch hielt ein Auto für uns an und nahm uns mit! Und wer waren diese netten Menschen? Hamburger!
Und Kåseberga, wo die Wellen sich am Strand inzwischen mächtig brachen, war inzwischen zum Wellenreiter Mekka geworden. Noch bis spät in den Abend hockten die Neopren-Männchen wartend außerhalb der schützenden Hafenmole, manchmal rauspaddelnd um dann mit der perfekten Welle für 20 Sekunden stehend auf den Strand zuzurauschen. Es gibt also auch Menscen, die diese Bedingungen lieben..
Endlich, in der Nacht zum Montag ließ der Wind wieder nach. Wir hielten uns bis Montag morgen offen, ob wir noch an der schwedischen Küste weiter, oder schon in einem großen Schlag Richtung Dänemark segeln sollten. Aber die Dünung war noch stark, 60 Seemeilen waren uns unter diesen Bedingungen zu weit. Stattdessen frühstückten wir mal ganz flitterwochenmäßig im Edelrestaurant am Hafen und liefen gegen 11 Uhr gemütlich aus. Der Wind war gut, 4 – 5 aus Süd, die Dünung zu Anfang etwa 1m, später abnehmend. Mit erstem Reff im Groß und der kleinen Genua segelten wir mit teils über 6kn Richtung Westen. Das Wetter dazu war aber immer noch eher mäßig, diesig und später sogar mit einem kalten Nieselregen. Die Ostsee hat nur noch 14°C. Nina übergab ihr Edelfrühstück in 5 Häppchen verteilt den Fischen und gegen 16 Uhr legten wir im Hafen von Smyggehamn an. Endlich ein ruhiger Liegeplatz, kein Rollen, kein Schaukeln, kein Wippen, kein Klötern, kein Knarksen. Wir freuen uns schon auf eine entspannte Nacht!
Nina hatte natürlich mächtig Appetit und wir aßen zum Abendessen Köttbullar und zum Nachtisch Marabou Schokolade mit Blaubeer. Und die Vorhersage auf die letzte Woche unserer Flitterzeit verspricht nur Gutes: Ab morgen pure Sonne, mäßige Winde, keine Wellen. Na das will ich auch hoffen! Sonst kriegt Otto n Arschtritt!


Hallo ihr zwei Ottonen,
inzwischen ist ja euer Wetter wieder besser, aber bei uns Kärntnern ist es nass, sowohl draußen als auch im Haus.
Nicht aus allen Hähnen kommt Wasser, dafür aber aus totgeglaubten Rohren. Das Klo war zeitweise verstopft und der Strom fiel aus. Inzwischen ist sind fast alle Probleme behoben, aber auf Überraschungen muss man weuterhin gefasst sein.
Übrigens, Nina + Lotta: Hochegg ist jetzt schon überfüllt, denn hier wohnen inzwischen bestimmt ein Dutzend Siebenschläfer.
Aber ihr seid ja jetzt in der dänischen Südsee, wo es paradiesisch sein soll.
Auch in Norddeutschland soll es sonnig sein.
Nina, falls du doch kommen willst, bring mir ein paar Schwedische Bonbons mit, – eure Zähne vertragen die garnicht.
Dann bis zu eurem nächsten Bericht, den wir für heute abend erwarten.
LG und Wind < 5 Bft., Wellen < 3 m
Gabi + Jan
Aus der südbaltischen Acht (Sommerpläne) ist ja nun eher eine wohl tiefdruckbedingte Ostsee-NULL-Runde geworden, wenn man den Positionsverlauf betrachtet.Aber ihr hattet ja auch einige wetterbezogen schöne Tage, und die schlechten waren sicherlich auf einer anderen Ebene schön, zumindest für die Leser euer toll geschriebenen Berichte der Abenteuer und “Fast-Katastrophen”.
Vielleicht sollten wir hier auch einen Österreich-Blog eröffnen, da es uns katastrophen- und wettermäßig ähnlich ergeht. Wäre sicherlich auch sehr unterhaltsam. Also Nina, du siehst, du bist gut vorbereitet für Österreich, und der Vorteil ist, dass es nicht so schaukelt. Du musst also unbedingt kommen (allein schon wegen der schwedischen Lakritze! NICHT VERGESSEN)
liebe Grüße Bernd
Hallo Lieblingsschwester und Lieblingsschwager!
Gilt das Süßigkeitenangebot immer noch? Wäre doch echt schade, dass nicht voll auszunutzen und den lieben Verwandten auch so einige Kilos mitzubringen, oder??? Da ihr Schweden aber schon wieder verlassen habt und die Hoffnung auf Süßigkeiten bei mir nachließ, gönnte ich mir heute bei Ikea einen Hotdog, um doch auch ein bisschen auf den Schwedischen Genuss zu kommen!!
Die Neopren-männchen, die ihr da so schön fotografiert habt, schafften also 20 Sekunden freien Stand??? Pffffff, da wird einem ja langweilig, viel interessanter ist es doch, 5 Sekunden zu stehen und dann das Gleichgewicht zu verlieren, um Unterwasser in den Waschmaschinengang zu geraten und den Unterschied zwischen oben und unten nicht mehr klar definieren zu können (kann ich aus eigenen Erfahrungen Vergleichen)!
Da die kilogrammweise Süßigkeitenlieferung wohl zu spät von mir gebucht wurde, mache ich Peter nun ein Angebot: Du darfst dir Eis MIT Guff bestellen (damit du nicht wieder so peinlich gefragt wirst, ob du auch wirklich keinen Guff willst) und mir den Guff dann einfach mitbringen, ich nehm den dir super gerne ab!!!
Ich wünsche euch beiden noch sonnige, erholsame, spannende, letzte Tage und freu mich schon auf meinen Guff
Liebste Grüße,
eure Schwesterschwagerin!
Ps an Mama und Papa: Habt ihr es immer noch nicht verstanden, wie man einen smiley in den Kommentar einbaut, oder gabs beim letzten Kommentar einfach nichts zu smilen?