Und… zurück!
Tja, nun kommt schon der letzte Artikel über unsere Sommerreise, ich sitze wieder an meinem Schreibtisch in Hamburg, sehe draußen die Böen durch die Bäume schießen und muss dabei nicht mehr das leichte Wackeln des Bootes ausgleichen. Im Gegenteil, heute morgen beim Aufwachen mussten wir uns erstmal daran gewöhnen, dass nichts mehr schwankte. Aber wir konnten ausschlafen und das war herrlich, denn an Bord klappt das nicht immer. Es gibt immer wieder kleine Störquellen, die den Schlaf unterbrechen, sei es das Klappern einer Leine am Mast, das hin und herrollen von irgendeiner Flasche oder Dose auf dem Boden, die Stegnachbarn, die schon um 5 Uhr ihren morgentlichen Schnack halten oder der Besitzer des fetten Motorboots, der in 20m Entfernung früh um sieben auf einen freien Tankstellenplatz wartet und sein Boot doch tatsächlich mit einer Dauerbetätigung des Bugstrahlruders auf Position hält. Aber in Smygehamn haben wir eine neue, uns bisher unbekannte Geräuschquelle erfahren. Plötzlich lagen wir beide wach, denn es klang ganz eindeutig so, als würde jemand einen Rollkoffer über unser Deck ziehen. Einen Rollkoffer! Auf einem Boot! Na so ein Quatsch, das stimmte natürlich nicht. Und mein Kontrollgang an Deck brachte zunächst den Störenfried auch nicht zu Tage. Erst ein Blick ins Wasser klärte auf. Riesenstürme von Blasen blubberten aus dem Grund an die Wasseroberfläche, und zwar mit einer Geschwindigkeit, dass ihr Trommeln am Rumpf eben dieses Geräusch verursachte. Der Grund für die Bläschen sind Faulgase, die aus dem Boden aufsteigen. Und ja, genauso eklig wie dieses Wort klingt, riecht es danach dann auch.
Wir waren eh wach, also legten wir in Smygehamn schon kurz nach sieben ab. Der Tag war windstill aber sonnig, und das war dann auch okay für uns. Wir motorten quer über die Ostsee und genossen die Hitze, legten ab und zu einen Badestopp ein und fühlten uns endlich wieder richtig im Urlaub. Unser eigentliches Ziel Klintholm strichen wir recht bald und fuhren statt dessen nördlich um Møn ins so genannte
Smållandsfahrwasser, in der Hoffnung, dort vor etwaigen Wetterwechseln ein bisschen besser geschützt zu sein. Irgendwann am Nachmittag kam dann sogar noch ein bisschen Wind auf und wir segelten nach Kalvehave. Eigentlich ein hübscher Hafen, aber wir nutzten den Stopp nur zum Wasser bunkern, Einkaufen und Duschen und legten anschließend wieder ab, um ein paar Meilen weiter westlich zu ankern.
Besseres Wetter hätten wir uns dafür gar nicht aussuchen können, es war warm, blauer Himmel und absolut windstill. Ankern ist dennoch immer so eine Sache, und wir sind noch nicht wahnsinnig erfahren damit. Die ersten vier Versuche, den Anker im Boden festzukriegen schlugen auch fehl, er rutschte einfach darüber hinweg. Der Grund dafür war das dicke Seegras am Boden, der Anker mähte nur Rasen und war danach so voll mit Grünzeug, dass seine Spitzen nicht mehr wirkten. Beim fünften Versuch nahmen wir dann unseren Zweitanker – und der hielt sofort bombenfest. Dieser M-Anker ist einfach geil. Zwar konnten wir leider keine Ankerkette daran machen, weil der Schäkel von dieser am anderen Anker festgerostet ist. Deswegen fädelte ich den anderen Anker einfach als Reitgewicht auf die Ankerleine – klappte hervorragend.
Die Nacht blieb ruhig und wir schliefen so gut wie lange nicht mehr. Das Tagesziel sollte heute (Mittwoch) die Insel Vejrø sein, ein kleines Eiland am westlichen Rand des Smållandfahrwassers. Bebaut nur mit einem Yachthafen, einigen Häusern und einem Flugplatz für Sportflugzeuge. Wieder hatten wir einen äußerst sonnigen Tag – sollte tatsächlich der Sommer anfangen? Wir erreichten Vejrø am Nachmittag, bargen die Segel, motorten langsam in den Hafen – und kehrten sofort wieder um. Zum ersten Mal haben wir eine Preisliste direkt in der Hafeneinfahrt gesehen. Und zum ersten Mal hat uns so eine Preisliste so abgeschreckt. Ganze 35€ wollten die von uns für eine Nacht haben, für 10m Boote sogar 65€!!! Und das für einen Hafen, der keine Dusche und keine weiteren Versorgungsmöglichkeiten hat. Zum Vergleich: üblicherweise kostet die Liegegebühr für ein 8m Boot so 13 – 20 € pro Nacht, das teuerste in den schicken Häfen in Westschweden und in Norwegen waren vielleicht 28€. Bei so einer Frechheit machen wir nicht mit, statt dessen warfen wir den Anker direkt vor dem Hafen. Diesmal nahmen wir sogleich den richtigen Anker und er hielt beim ersten Versuch. Gar nicht so schlecht hier.
Wir genossen noch ein bisschen die Sonne, kochten unser Abendessen, und schickten vorsichtshalber eine SMS an Marius mit der Bitte, uns noch einen Wetterbericht für die Nacht zuzuschicken, denn so ganz ahnungslos wollten wir nicht vor Anker liegen bleiben. Leider schaffte es die SMS erst Stunden später nach Deutschland. Glücklicherweise konnten wir aber gerade so den Seewetterbericht von DP07 über Funk empfangen. Die senden immerhin aus Kiel, gute 70km entfernt. Um 19.45 Uhr erfuhren wir also, dass für die Nacht Starkwind angekündigt war. Das nicht gut. Wir wollten doch ruhig schlafen. Also Anker auf und Kurs Onsevig, der nächste Hafen der in die richtige Richtung lag. Das war nochmal richtig schönes Segeln bei guten 3 Windstärken halbwinds im Sonnenuntergang. 10 Seemeilen legten wir so spät noch zurück und erreichten den Hafen erst bei absoluter Dunkelheit. Eigentlich kein Problem, der Hafen ist auch bei Nacht ansteuerbar. Aber: Nichts war so, wie es im Hafenhandbuch beschrieben stand! Ein grünes, blinkendes Richtfeuer sollte uns in die Einfahrt lotsen, bei Peilung 158°. Statt dessen gab es nur ein rotes Richtfeuer bei Peilung 162°. Das sind ziemlich wichtige Unterschiede, wenn die Wassertiefe neben der ausgebaggerten Rinne unter einen Meter sinkt. Wir wagten es trotzdem, Richtfeuer ist schließlich Richtfeuer, und nach einigen Herzklopfminuten waren wir drin. Legten an und waren fest. In einem Hafen, in dem die Sanitärgebäude noch im Bau waren, und der Dusch/Klowagen der provisorisch aufgestellt war mangels Strom weder Licht noch eine funktionierende Spülung hatte. Naja, aber besser als Ankern, denn der Wind legte in der Nacht wirklich ordentlich zu.
Der Seewetterbericht über Funk am Donnerstag morgen war wieder ernüchternd. Freitag und Samstag Starkwind aus West. Blöd, wenn man nach Westen will. Für den Donnerstag sollten es nur 4 – 5 Windstärken aus NW sein. Also beschlossen wir, die Reise abzukürzen. Strichen Bagenkop (mal wieder) vom Plan und segelten direkt in den Heimathafen.
Wir schafften mal wieder knapp die Brückenöffnung in Kappeln um 19.45 Uhr. Nina hatte schon während der 4sm ruhigen Schleifahrwassers angefangen zu packen. Um 20.15 waren wir fest in Kopperby. Und um 21.30 saßen wir im Auto Richtung Hamburg.
566 Seemeilen waren das, an 17 Segeltagen. Streckenmäßig absolut okay, aber das Wetter hätte wirklich besser sein können. Im Moment weht schon wieder Sturm um Bornholm, der Seewetterbericht sagte gestern etwas von einer Böenwarnung für die östliche Ostsee mit Böen der Stärke 12. Der DWD schreibt heute, dass der Juli der erste zu kalte Monat in diesem Jahr war. Irgendwie Pech.
Und dennoch hatten wir eine tolle Reise. Wahrhaft abenteuerlich zwischendurch, aber dennoch sehr abwechslungsreich und interessant. Wir haben ein Dutzend vollkommen verschiedene Landschaften gesehen, freundliche Leute kennengelernt, vielleicht sogar Freundschaften geknüpft, wir haben in der Sonne gebraten und mitten in der freien Ostsee gebadet. Doch, es waren schon Flitterwochen! Und zwar ganz besondere
Danke fürs Lesen und Kommentieren!


Na denn mal “Willkommen zurück” und vielen Dank für die ausführlichen und unterhaltsamen Reiseberichte!